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Dr. Christel Oldenburg MdHB

02.06.2020 15:03 Kategorie: Kolumne

Mahnwache und Menschenkette für Flüchtlinge in Griechenland – die Bergedorfer reagierten wohlwollend


Foto: Arne Andersen

Foto: Arne Andersen

In diesen turbulenten Tagen ist das Schicksal der Flüchtlinge in Griechenland und auf den Ägaischen Inseln etwas aus dem Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt – um an die Schutzsuchenden zu erinnern und gegen die EU-Flüchtlingspolitik speziell an den griechischen EU-Außengrenzen zu protestierten, rief am Pfingstsamstag der »Fluchtpunkt Bergedorf« zu einer Mahnwache auf.

Rund anfangs 50 Teilnehmer bildeten zur Mittagszeit bei bestem Wetter eine Menschenkette vom Johann-Adolf-Hasse-Platz bis zum Bergedorfer Markt, um die Passanten auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen – natürlich unter Wahrung des zur Zeit notwendigen Abstandes von anderthalb Metern zwischen den Teilnehmern.

An der Mahnwache beteiligten sich Vertreter der Bergedorfer freien linken Szene, des Vereines für Völkerverständigung, des DGBs Bergedorf, der Pastor der Petri-und-Pauli-Kirche, »Omas gegen Rechts«, Mitglieder der Grünen und der SPD – kurz, es war ein bunter Mix aus sozial engagierten Bürgern, der mit Schildern und kurzen Ansprachen auf das Elend in den griechischen Aufnahmelagern hinwies:

»Die gegenwärtige Corona-Krise erschüttert uns alle. Für geflüchtete Menschen ist die Situation nochmals beängstigender – und hier ganz besonders an der griechischen EU-Außengrenze. Elendslager, aus denen die Geflüchteten nicht herausdürfen, unsägliche hygienische Zustände, mangelnde medizinische Versorgung, erzwungene Enge sind nur einige der schweren Belastungen.

Dies alles zu ertragen, verlangt von den Menschen enorme Kraft.
Was wir erleben, ist ein Europa, das seine Hilfe verweigert.

Wir fordern:
Alle Haft- und Elendslager für Geflüchtete auf dem griechischen Festland und den Ägäischen Inseln müssen geräumt werden! Umgehende Aufnahme der Schutzsuchenden in den EU-Staaten!«

Die Bergedorfer Bürger reagierten sehr wohlwollend und neugierig auf die Mahnwache – dazu mögen auch das Wetter, die hervorragende Stimmung und das Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch beigetragen haben.

Viele Passanten lechzten angesichts der Kontaktbeschränkungen in den letzten Monaten geradezu nach Gesprächen und Diskussionen, freuten sich über die Aufklärung – oder beteiligten sich gleich direkt an der Mahnwache, so dass zum Schluss rund 80 statt der eigentlich zulässigen 50 Personen in der Menschenkette standen.

Die Polizei nahm es entspannt-gelassen, kommentierte schmunzelnd:
»Die Bergedorfer haben es nicht so mit Mathematik …«

Die Organisatoren vom »Fluchtpunkt Bergedorf« können sich über eine gelungene Veranstaltung freuen – und den Bergedorfern gebührt das Kompliment, auch in persönlich schwierigen Zeiten ein Signal für Humanismus und Hilfsbereitschaft gesetzt zu haben.

Christel Oldenburg