Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

13.11.2017 17:08 Kategorie: Kolumne

Ein weiterer Feiertag für den Norden? Gerne, aber nicht religiös motiviert!


Der Reformationstag am 31. Oktober war in diesem Jahr ausnahmsweise ein gesetzlicher Feiertag, vor 500 Jahren soll Martin Luther der Überlieferung nach am Abend vor Allerheiligen seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und damit letztlich die Reformation der Kirche eingeleitet haben.

Nun gibt es diverse Überlegungen, im überwiegend protestantischen Norden der Bundesrepublik den Reformationstag dauerhaft als gesetzlichen Feiertag einzuführen, auch in der Hamburgischen Bürgerschaft steht dieser Vorschlag zur Diskussion.

Die Befürworter stützen sich auf zwei Argumente: Erstens wäre es ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit, dem mit religiösen Feiertagen üppig gesegneten (und überwiegend katholisch orientierten Süden) in etwa nachzukommen, zweitens würde der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag die Rolle der evangelischen Kirche im Gesellschaftsleben der norddeutschen Bundesländer angemessen würdigen.

Dem Verlangen nach einem zusätzlichen Feiertag in Norddeutschland kann ich voll und ganz zustimmen, die Arbeitnehmer haben einen zusätzlichen Feiertag auch aus Gerechtigkeitsgründen gegenüber ihren süddeutschen Kollegen verdient.Diese Forderung ist übrigens nicht neu, die Gewerkschaften drängen schon seit längerem darauf, das Feiertagsgefälle zwischen Süd und Nord endlich auszugleichen.  

Nicht einverstanden bin ich mit der religiös motivierten Begründung: Presseberichten zufolge plädiert etwa Dietrich Wersich, Kirchensprecher der CDU, für den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag, damit sich die Bürger »auch zukünftig mit den Impulsen der Reformation für Hamburg beschäftigen.«

Für die Protestanten unter uns mag dieser Ansatz interessant sein, rund 27 Prozent der Hamburger gehören der evangelischen Kirche an. Warum aber die anderen knapp drei Viertel der Hamburger Bürger – entweder anderen Glaubens oder konfessionslos – quasi von Gesetzes wegen dazu gedrängt werden sollen, sich mit der Reformation zu beschäftigen, erschließt sich mir nicht.

Zudem haben wir schon mehr als genug kirchliche Feiertage – alternative Vorschläge, einen glaubensneutralen, säkularen Anlass mit einem gesetzlichen Feiertag zu würdigen, gibt es daher zuhauf.

Zu den diskutierten Daten gehören etwa der 8. Mai (Kriegsende, Befreiung vom Faschismus am 8.5.1945), der 23. Mai (Verkündung und Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23.5.1949), der 9. November mit seinen mehrfachen historischen Bedeutungen (etwa das Scheitern der Märzrevolution 1948, die Novemberrevolution 1918, die Pogromnacht 1938, der Fall der Berliner Mauer 1989) oder aber auch der Weltfrauentag am 8. März, für diesen Tag könnte ich mich erwärmen.

Die Hamburger SPD wird sich auf ihrem Landesparteitag am 18. November mit dem Thema befassen, noch in diesem Jahr soll die Bürgerschaft über die Einführung eines weiteren gesetzlichen Feiertages abstimmen.

Auch in der norddeutschen SPD gibt es Befürworter des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag, etwa Niedersachsens Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzenden Stephan Weil.

Ich hingegen zähle mich zu den säkular orientierten Sozialdemokraten; unsere Geschichte bietet mehr als genug Anlässe fern jeder konfessionellen Konnotation, die eines gesetzlichen Feiertages würdig sind – der Glaube sollte Privatsache bleiben und nicht von Staats wegen aufgedrängt werden.  

 

Christel Oldenburg