Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

11.12.2017 15:16 Kategorie: Kolumne

Der NABU operiert mit zweifelhaften Zahlen – Hamburg ist und bleibt grün!


Der Naturschutzbund (NABU) hat am 1. Dezember eine Volksinitiative »Hamburgs Grün erhalten« gestartet, in der es  – grob gesagt – darum geht, den vermeintlich bedrohten Anteil des Grüns in Hamburg zu erhalten, inklusive u. a. Grünanlagen, Kleingärten, Friedhöfen, Parkanlagen und naturnahen Landschaften.

Bei der Präsentation der Volksinitiative operierte der NABU augenscheinlich mit missverständlichen Zahlen zum jährlichen Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen, interpretierte statistische Werte offenkundig falsch und zeichnete so ein verzerrtes Bild vom Grünflächenverbrauch in Hamburg. Mittlerweile ist der NABU nach deutlicher Kritik zurückgerudert und will sich am heutigen Montag noch einmal mit der Datenbasis seiner Argumentation befassen.

Eines lässt sich jedoch jetzt schon sagen: Auch wenn der Wortlaut der Initiative unverbindlich formuliert ist – das wahre Ziel des NABU ist, den Wohnungsbau in Hamburg deutlich einschränken.

 

Unsere Stadtentwicklungspolitik verfolgt jedoch heute schon die Ziele

– einer nachhaltigen Stadtentwicklung, mit der Hamburg eine grüne und lebenswerte Metropole am Wasser bleibt;

– eines klugen Ausgleichs zwischen Wohnungsbau und Grünerhalt, bei dem die ökologischen Interessen mit den sozialen Belangen klug und im Einzelfall abgewogen werden;

– behutsamer Nachverdichtung und Grünentwicklung in den Quartieren,

die wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger voranbringen.

 

Folgte man der NABU-Initiative, dann hieße das:

– keine neuen Freiflächen oder Grünanlagen für Neubau in der Stadt;

– keine Ausweisungen weiterer Flächen für Parks, Sportanlagen, Kleingärten, Landschafts- oder Naturschutzgebiete;

– weniger neue Wohnungen in Hamburg – die Mieten stiegen noch kräftiger an, die Bewohner würden ins Umland verdrängt. Hier gingen zudem Grün- und Freiflächen verloren.

Dabei ist Hamburg eine der grünsten Städte Deutschlands und wird es auch bleiben. Rund 60 Prozent der Landesfläche ist Grün, fast 10 Prozent der Fläche stehen unter Naturschutz, etwa 20 Prozent unter Landschaftsschutz. 69 Parks, zahlreiche Kleingärten, landwirtschaftliche Flächen, Wald sowie Wasserflächen, rund 245.000 Straßenbäume prägen das Stadtbild – und Hamburg erhält einen Biotopverbund.

Große Neubauprojekte entstehen zudem in der Regel nicht auf Hamburgs Grünflächen, sondern auf Konversionsflächen – also Flächen, die zuvor anders genutzt wurden bzw. brach lagen. Aktuelles Beispiel ist der Kleine Grasbrook, wo aus einem Hafengebiet ein neuer Stadtteil für Wohnen und Gewerbe entsteht.

Fazit: Eine lebendige Debatte über die zukünftige Stadtentwicklung ist immer willkommen und vonnöten, aber alle Beteiligten sollten dabei mit sauberen, nachvollziehbaren Zahlen argumentieren. Der NABU hat sich mit seiner unseriösen Dateninterpretation selbst keinen Gefallen getan.

Christel Oldenburg