Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

14.05.2018 15:58 Kategorie: Kolumne

Der HSV steigt ab, aber »Liebe kennt keine Liga«


Nun ist es also doch geschehen:

Nach einer weiteren mehr als schlechten Bundesliga-Saison hat es der HSV nicht über den 17. Tabellenplatz hinaus geschafft, ist damit direkt in die 2. Bundesliga abgestiegen.

Dieser für den HSV erstmalige Abstieg mag eingefleischte Fans besonders aus zweierlei Gründen wurmen:

Zum einen war der Hamburger Sportverein das einzige Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga, das seit dem Ligastart am 8. Juli 1962 durchgehend über 55 Spielzeiten der obersten bundesdeutschen Spieklasse angehörte – bis eben zu jenem vergangenen Samstag, als trotz des 2:1-Sieges gegen Borussia Mönchengladbach der Abstieg besiegelt war, weil Köln gegen den zweiten Abstiegsaspiranten Wolfsburg verlor. Die Wolfsburger hingegen hatten sich damit in die Relegation gerettet.

Der zweite Grund, warum der Abstieg des HSV schmerzen mag, ist die seit einigen Wochen messbar ansteigende Formkuve der Mannschaft – genauer gesagt: der positive Stimmungswechsel und die wachsende Spielfreude seit dem Antritt von Christian Titz als Trainer.

Lewis Holtby brachte es in einem Interview vielleicht etwas übertrieben, aber im Kern treffend auf den Punkt: »Zum ersten Mal seit vier Jahren spielen wir wieder Fußball.« 

Dieser neue Elan und die wiedererwachte Spielfreude in der Mannschaft kamen allerdings zu spät – die Ursachen für den zähen und langsamen Abstieg des HSV sind schon seit Jahren in einem bemerkenswert ignoranten Missmanagement der Vereinsführung zu suchen, schon vor Jahren lästerten Spötter über die Chaos-Truppe in der Führungsetage des HSV.

Mehrere Spielzeiten hintereinander kam der HSV oft auf der letzten Meile mit mehr Glück als Verstand und mit einem blauen Auge davon, aber irgendwann ist das Glück aufgebraucht, wie auch Hamburgs Spieler-Legende Uwe Seeler erkannte.

Viele Fans werden deshalb eine gewisse Berechtigung für den Abstieg des HSV nicht verhehlen können, gegen den weiteren Verbleib in der 1. Spielklasse sprachen unter dem Strich zu schlechte Leistungen auf dem Platz und vor allem im Management.

Es zeichnet indes viele HSV-Fans aus, sich jetzt nicht in Hohn und Enttäuschung von ihrem Verein abzuwenden, sondern ihm auch in der 2. Liga die Daumen zu drücken – so wie eben »Uns Uwe« auch, der sich bereits eine Dauerkarte für die Heimspiele besorgt haben soll.

Mit etwas Glück und sehr viel mehr Engagement schafft der HSV ja vielleicht den direkten Wiederauftstieg im nächsten Jahr; auch dazu können die Anhänger mit ihrer lebhaften Unterstützung im Stadion beitragen – die Hamburger Fans sind eh bekannt für ihre Vereinstreue und Begeisterungsfähigkeit.

Wie hieß es doch so schön auf einem der Plakate im Volksparkstadion am letzten Samstag: »Liebe kennt keine Liga.«

Nun denn, auf ein Neues!


Christel Oldenburg