Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

28.05.2018 15:32 Kategorie: Kolumne

Strohhalme, Einweggeschirr, Ballonhalter – EU-Kommission will Plastikmüll eindämmen


Foto: hbe, „Plastikmüll“, CC-Lizenz (BY 2.0), piqs.de

Gerade jetzt an den warmen bis heißen Tagen nutzen viele Hamburger das schöne Wetter, um sich im Freien zu treffen, etwa in öffentlichen Parks mit Freunden zu grillen oder einfach ein Schwätzchen zu halten.

Der Wunsch nach Geselligkeit an der frischen Luft ist nachvollziehbar, die Kehrseite vieler begleitender Verhaltensweisen lässt sich jedoch auch nicht mehr ignorieren:

Wir produzieren Unmengen von Plastikmüll.

Das fängt an beim Einweg-Geschirr für die Grillparty und endet noch lange nicht bei den Strohhalmen – geschätzt 36, 4 Milliarden Strohhalme verbrauchen die EU-Bürger jedes Jahr.

Große Teile dieses Plastikmülls landen in den Weltmeeren, dort schädigen sie die Ökosysteme und können letztlich über die Nahrungskette auch uns Menschen gefährlich werden.

Rund 80 Prozent des Mülls in den Weltmeeren bestehen nach Angaben der EU-Kommission aus Plastik – das Material zersetzt sich nur sehr langsam, kann als Mikroplastik zudem erhebliche langfristige Schäden verursachen und ist kaum mit technisch vernünftigem Aufwand aus dem Meerwasser zu filtern.

Allein in der EU entstehen der EU-Kommission zufolge jedes Jahr 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen weniger als 30 Prozent zur Wiederverwertung gesammelt werden.

Um der wachsenden Menge an Plastikmüll in den Weltmeeren zumindest Einhalt zu gebieten, arbeitet die EU-Kommission an einer neuen Verordnung, die sie kürzlich in ihren Grundzügen vorgestellt hat:

– Demnach sollen vor allem Plastikgegenstände verboten werden, die am häufigsten in Strandmüll auftauchen. Dazu gehören Besteck und Geschirr, Trinkhalme, Getränkerührstäbchen, Halter für Luftballons und Wattestäbchen.

Für  Plastikteller und Strohhalme etwa gäbe es weniger schädliche Alternativen , die auch aus Pappe hergestellt werden können.

– Zudem nennt die Kommission Einmalprodukte, die nicht verboten, aber massiv zurückgedrängt werden sollen, darunter Verpackungen für Fastfood, Luftballons, Getränkeverpackungen und Deckel.

– Außerdem sollen die Mitgliedsstaaten die Auflage bekommen, bis 2025 Einwegplastikflaschen zu 90 Prozent zu recyceln. Vorbild ist hier das Einwegpfand, wie es 2003 in Deutschland eingeführt wurde.

Sollten die Pläne umgesetzt werden, verspricht sich die EU-Kommission davon erhebliche Vorteile:

– Der Ausstoß von Kohlendioxid soll um 3,4 Millionen Tonnen verringern.

– Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, teilte die Brüsseler Behörde mit.

– ­Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen.

Der Vorschlag der EU-Kommission wird nicht alle Probleme mit dem Plastkmüll lösen können, aber er weist in die passende Richtung:

Wenn jeder von uns sein persönliches Verhalten im Umgang mit Plastikabfall nur etwas ändert, dann könnten wir alle zusammen zu einer lebenswerten und intakten Umwelt beitragen.

 

Christel Oldenburg