Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

20.08.2018 16:38 Kategorie: Kolumne

Hitze ist gut fürs Geschäft?


Nach dem Ausklang der Sommerferien nimmt der Alltag langsam wieder Fahrt auf – zumindest in einer Hinsicht ließe sich der banalen Belanglosigkeit eines typisch hamburgischen Durchschnittstages auch eine positive Seite abgewinnen: Nach der außergewöhnlich heftigen und langen Hitzewelle in den letzten Wochen hat das klassische Schmuddelwetter in unseren Gefilden durchaus seine Vorteile.     

Nicht nur ich hatte an den heißen Tagen mit Temperaturen weit über 30 Grad zu kämpfen, nicht nur  in unserer Dachgeschosswohnung – die Hitze war das schweißtreibende Thema schlechthin im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Gespräch, in den Medien.

Apropos Medien: In einer Tageszeitung las ich, dass die hohen Temperaturen gut fürs Geschäft seien – es ging um eine bekannte Hamburger Kosmetikfirma, die sich steigender, gar hervorragender Absätze bei ihren Sonnenschutzmitteln erfreute.

Nun ja, von dieser Warte aus betrachtet mag das in unseren Breitengraden seit Mai durchgehend sonnige Wetter schon umsatzfördernde Impulse ausgelöst haben, auch die Tourismusbranche konnte nicht klagen.

Während das heiße Wetter an Nord- und Ostsee aber für volle Strände und Badefreuden sorgte, sind doch die negativen Auswirkungen kaum zu übersehen gewesen:

In Hamburg mussten sogar die Alsterschwäne erstmals in einem Sommer in ihr Winterquartier gebracht werden, Hitze und Trockenheit führten zu Wasserknappheit in Hamburgs Gewässern, die Bauern haben mit hohen Ernteeinbußen zu kämpfen.

Die Natur litt und leidet, weil der Regen ausblieb. Der Supersommer hat also nicht nur einigen Branchen Super-Umsätze beschert, sondern besonders in der Natur und Landwirtschaft für erhebliche Probleme gesorgt.    

Mittlerweile ist es milder geworden, sogar etwas Regen ist schon gefallen – mit den kürzer werdenden Tagen hält der Spätsommer Einzug, bald werden wir wieder die Pullover und Herbstjacken aus den Schränken holen.

Dann werden wir uns vielleicht verklärend-wehmütig an die langen Tage dieses Sommers erinnern, an unbeschwerte Zusammenkünfte im Freien und Grillabende mit Freunden bis spät in die Nacht.

Ich indes werde auch die sprichwörtliche Bullenhitze der vergangenen Wochen nicht vergessen, daher lautet mein Wunsch für das nächste Jahr: Sommer – gerne, aber bitte mit erträglichen Temperaturen. Die Kosmetikindustrie würde es auch überleben, wenn manche Tube Sonnencreme in den Regalen liegen bliebe.  

 

Christel Oldenburg