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Dr. Christel Oldenburg MdHB

17.09.2018 16:30 Kategorie: Kolumne

Mehr Personal für Hamburgs Kitas – aber der Fachkräftemangel macht zu schaffen


Foto: Sandro Schmalfuß, CC BY-SA 3.0

Die Stadt Hamburg hat sich Anfang September mit der Volksinitiative „Mehr Hände für Hamburger Kitas“ auf weitere Verbesserungen geeinigt – Gewinner sind Kinder, Eltern und Beschäftigte. In Hamburg werden aktuell 90.000 Kinder in Krippen und Kitas betreut. Neben dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird es jetzt auch den Rechtsanspruch auf einen verbesserten Betreuungsschlüssel in allen Hamburger Krippen und Kitas geben:

- Bis 2021 soll ein Betreuungsschlüssel von 1 zu 4 in Krippen (0–3 Jahre) erreicht werden – vier Kinder werden von einer Fachkraft betreut.

- Bis 2024 soll ein Betreuungsschlüssel von 1 zu 10 in Kitas (3–6 Jahre) erreicht werden.

Das bedeutet: Es werden 3.000 Erzieherinnen und Erzieher mehr in Hamburger Kitas eingestellt.

2018 starteten gut 500 zusätzliche Fachkräfte in Krippen (0–3 Jahre), damit liegt der Betreuungsschlüssel hier bei 1 zu 5,1. Der Betreuungsschlüssel in Kitas liegt bei 1 zu 10,7. Bereits seit 2014 ist die fünfstündige Grundbetreuung in Hamburgs Kitas gebührenfrei – inklusive Mittagessen.

Nun haben sich Stadt und Kita-Verbände darauf verständigt, dass von 2018 bis 2021 die Kita-Träger zusätzlich jährlich über 500 neue Fachkräfte einstellen können.

Damit investiert Hamburg in gute und gebührenfreie Kitas: Der Haushaltsplan-Entwurf 2019/2020 sieht hierfür über eine Milliarde Euro vor. Zum Vergleich: 2010 waren es rund 390 Millionen Euro.

So erfreulich die Einigung mit der Volksinitiative und die geplante Personalaufstockung sind, so hat nicht nur Hamburg im pädagogischen Bereich mit einem erheblichen Fachkräftemangel zu kämpfen. Die Ursachen hierfür sind verschiedenartig:

Der Kitaausbau geht zum einen schneller voran, als neue Erzieher(innen) ausgebildet werden können, die für sich positive Absenkung der Betreuungsschlüssel wie in Hamburg erzeugt zusätzlichen Fachkräftebedarf, zudem erhöhen die demografische Entwicklung mit steigenden Geburtenraten und der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz die Nachfrage in den Kitas.

Auf der anderen Seite stellt der Beruf des Erziehers hohe Anforderungen, ist anstrengend und nicht sonderlich gut bezahlt  – Aufstiegsmöglichkeiten und Leistungszulagen gebe es kaum, erläutert etwa Dr. Ilse Wehrmann, Sachverständige für Frühpädadogik aus Bremen.  

Als eine der Ursachen für den Fachkräftemangel bei den Erziehern führt etwa die GEW das veränderte Ausbildungsverhalten der Jugendlichen an – der Drang zu Abitur und Studium sei ungebrochen. Eine mögliche Gegenmaßnahme sei die Akademisierung des Erzieher/innen-Berufs und eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, damit auch eine attraktivere Bezahlung.

Ähnlich verzwickt sieht die Personallage bundesweit beim Lehrernachwuchs und in den Pflegeberufen aus – die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften ist weitaus höher als das Angebot, beim Lehrermangel etwa versuchen die Bundesländer zunehmend, die Versorgungslücken mit Quereinsteigern zu füllen und die Studienkapazitäten an den Universitäten hochzufahren.

Auch das Handwerk und etwa das Transportgewerbe beklagen massive Probleme bei der Stellenbesetzung – die Wirtschaft brummt, und wer heutzutage versucht, schnell einen Bauhandwerker zu beauftragen, weiß ein Lied davon zu singen.

Der Fachkräftemangel ist also deutschlandweit quer durch die Branchen zu spüren. Bei den öffentlichen Aufgaben, etwa der Kinderbetreuung, hat die Politik jedoch die Möglichkeit, steuernd einzugreifen und Anreize zu setzen, um dem beruflichen Nachwuchs attraktive Bedingungen zu bieten.

Dieses Gegensteuern erfolgt nicht von heute auf morgen, es wird seine Zeit brauchen – aber Hamburg hat mit seinen Investitionen in die künftige Kita-Betreuung einen ersten Schritt unternommen.    

 

Christel Oldenburg