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Dr. Christel Oldenburg MdHB

22.10.2018 16:06 Kategorie: Kolumne

Unsere deutschen Umgangsformen – Höflichkeit ist gar nicht so schwer


Es ist beileibe nicht alles betrachtens- und lesenswert, was sich in den Internet-Ablegern der großen deutschen  Printmedien findet, aber diese Kolumne auf Spiegel-Online kann ich gerne zur Lektüre weiterempfehlen:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/muerrische-deutsche-leitkultur-meister-der-pampigkeit-kolumne-a-1234078.html

Die Autorin Ferda Ataman (sie selbst bezeichnet sich als Turko-Deutsche) nimmt in dem Beitrag mit spitzer Feder die bisweilen ungehobelt bis rüpelhaft anmutenden Verhaltensweisen im bundesdeutschen Alltag aufs Korn, vergleicht diese mit den Umgangsformen im Ausland und konstatiert:

»Denn der Grobianismus gehört zu den Deutschen, wie der Zwerg in den Garten. Wir sind die Meister der Pampigkeit! Wir sind Rüpel by nature. Unsere unterkühlte Unhöflichkeit ist weltberühmt und für die meisten Ausländer erschütternd.«

Diese Unhöflichkeit nehme jedoch zugunsten eines freundlichen Umganges miteinander umso mehr ab, je stärker das soziale Milieu international geprägt sei – daher könnten die Deutschen in Sachen Höflichkeit und Gastfreundschaft von den beiden größten Einwanderergruppen, den Türken und Polen, noch eine Menge lernen.

Da aber manche Politiker immer noch davon schwadronierten, dass sich Migranten der deutschen Kultur anpassen müssten, hieße dies für jene im Umkehrschluss, auf Höflichkeit und  Gastfreundschaft zu verzichten.

Diese Darstellung ist natürlich überspitzt, entbehrt wie so oft aber nicht eines wahren Kerns. Ich verstehe auch nicht, was es einen kostet, den Mitmenschen im Alltag einfach freundlich zu begegnen und dabei ein Mindestmaß an Höflichkeit walten zu lassen.

Ein freundliches Wort oder ein schlichtes Lächeln kosten nichts, erleichtern die zwischenmenschliche Interaktion jedoch sofort und wirksam, sei es im Privatleben, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum, etwa an der Supermarktkasse – bin ich als Kundin freundlich zum Personal, dann wird mir auch freundlich begegnet.

Persönlich lege ich sehr viel Wert auf einen freundlichen Ton und höfliche Umgangsformen; gerade im politischen Betrieb treffen ja häufig abweichende oder konkurrierende Meinungen aufeinander, und damit der entsprechende Disput nicht in offene Aggression oder persönliche Angriffe umschlägt, ist ein dem gegenseitigen Respekt verpflichtetes und von allen akzeptiertes Regelwerk zur zwischenmenschlichen Kommunikation ein wirksames Instrument, die Manieren zu wahren.

Abgesehen davon lebt es sich einfach leichter, wenn wir uns häufiger einmal ein nettes Wort oder ein Lächeln schenken; wir vergeben uns wahrlich nichts dabei.

Erfreulicherweise erfahre ich fast immer einen zumindest formal höflichen und freundlichen Umgang seitens meiner  Mitmenschen, ob nun beruflich oder privat – dafür bemühe ich mich aber auch, meinem Gegenüber ein entsprechend gesittetes Verhalten zukommen zu lassen.

Somit scheint sich das altbekannte Sprichwort zu bestätigen:

»Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.«

Versuchen Sie es einfach einmal, werte Leser – sie werden über das Ergebnis erstaunt sein.

 

Christel Oldenburg