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Dr. Christel Oldenburg MdHB

12.11.2018 12:34 Kategorie: Kolumne

»Erklärung der Vielen« – Kulturinstitutionen und -verbände wehren sich gegen rechts


Zahlreiche Künstlerinnen, Künstler und Kulturinstitutionen haben am 9. November auf Kampnagel die »Hamburger Erklärung der Vielen« vorgestellt, mit der sie ein deutliches Zeichen gegen rechtspopulistische Tendenzen und Einflussnahme auf die Kunst- und Kulturszene setzen. Auch in anderen Städten wie Berlin, Düsseldorf und Dresden Düsseldorf veröffentlichten Kulturschaffende ähnliche Erklärungen.

Ziel ist es, den Austausch der Kulturinstitutionen und Aktiven in der Kulturlandschaft zu intensivieren und sich gemeinsam gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung und für eine gerechte, offene und solidarische Gesellschaft einzusetzen.

»Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur«, warnen die Unterzeichner, dagegen müssten sich die Kulturschaffenden wehren.

Rechtspopulisten übten besonders auf kleinere Stadttheater oder regionale Kulturinstitutionen Druck aus. In Hamburg etwa seien die zahlreichen parlamentarischen Anfragen der Hamburger AfD-Fraktion zur Kulturpolitik gerade für kleine Institutionen eine »gezielte Schikane«, kritisierte Bettina Steinbrügge vom Kunstverein.

Die Erklärung unterzeichneten bundesweit bisweit rund 300 Einrichtungen, darunter namhafte Theater, Museen und Festivals. Derzeit würden sich weitere regionale Bündnisse bilden, sagte Holger Bergmann vom Verein »Die Vielen«, der die Erklärung initiierte. So könnten sich künftig auch Theater, Orchester und andere Kulturinstitutionen aus kleineren Städten und Kommunen dieser Kunst-Initiative anschließen.

Mit Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen wollen sich die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in den kommenden Monaten für die Freiheit der Kunst einsetzen und für eine »Glänzende Demonstration der Kunst und Kultur« im Frühjahr in Berlin mobilisieren. 

Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, unterstützt die Initiative ausdrücklich: »Kultureinrichtungen stehen zunehmend unter Druck. Insbesondere rechtspopulistischen Angriffen auf unsere freie und offene Gesellschaft müssen wir uns entgegenstellen. Gerade der 80. Jahrestag der Pogromnacht ermahnt uns, in welcher Katastrophe Nationalismus und Extremismus enden. Kunst kann uns helfen, ein gemeinsames Verständnis für unsere vielfältige Gesellschaft zu finden. […]

Ich freue mich über die breite Unterstützung der Initiative ›Die Vielen‹ auch in Hamburg und danke den Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Künstlern für ihr Engagement im Rahmen dieser Initiative, aber auch in ihrer täglichen künstlerischen Arbeit.« 

Mit dem durch die »Erklärung der Vielen« gebildeten Netzwerk wollen sich die Kulturschaffenden gemeinsam gegen Bedrängungen von rechts wehren, auch juristisch.

Einzelpersonen können die Kampagne auf http://www.dievielen.de unterstützen. Geplant sind in den kommenden Monaten auch Aktionen, Diskussionen und Demonstrationen – welche genau, wird momentan noch verhandelt.

In jedem Fall sollen die Veranstaltungen über das Tagesprogramm der Institutionen hinausweisen – und helfen, den Rechten und ihren Parolen eben nicht das Megafon zu überlassen.

Ich begrüße diesen überregionalen Zusammenschluss der Kulturschaffenden gegen Angriffe von rechts auf die Kunst- und Kulturfreiheit sehr – unsere Gesellschaft beruht auf Freiheit, Toleranz und Verständigung, dafür lohnt es sich zu kämpfen!

 

Christel Oldenburg