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Dr. Christel Oldenburg MdHB

19.11.2018 15:18 Kategorie: Kolumne

Die »Lindenstraße« läuft 2020 aus – das Ende einer wunderbaren Freundschaft


Die wöchentliche Serie »Lindenstraße« wird nach über 34 Jahren nicht  fortgeführt. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD hat sich  mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen. Die letzte Folge der Serie wird im März 2020 im Ersten ausgestrahlt.

Diese Nachricht nahm ich mit großem Bedauern auf, bin ich doch seit 1989 als treue »Lindenstraße«-Zuschauerin fast jeden Sonntagabend dabei, wenn die Titelmelodie des Serien-Dauerbrenners erklingt und die neuesten Irrungen, Wirrungen, die kleinen und großen Dramen in der »Lindenstraße« ihren Fortgang nehmen. In dieser halben Stunde sind Telefonanrufe und andere Ablenkungen tabu, sogar unsere Essenzeiten haben wir nach dem Sendetermin ausgerichtet.

Das mag etwas schrullig klingen, aber die »Lindenstraße« stellte für mich in den vergangenen 29 Jahren eine kleine und willkommene Abwechlsung zum Alltagseinerlei dar. Zudem besticht die Serie durch ihr handwerklich hohes Niveau – die »Lindenstraße« erfreute mich mit ihren facettenreich und ausgereift gezeichneten Figuren sowie der Integration aktueller Probleme und gesellschaftlicher Konflikte in den Handlungsablauf.

Die Begründung für das Aus der »Lindenstraße« kann ich nicht nachvollziehen – in einer Pressemitteilung des WDR sagt Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen:

»Diese  Entscheidung hat sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD nicht  leicht gemacht. Denn die ›Lindenstraße‹ ist eine Ikone im deutschen  Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet. Sie ist Spiegelbild  der Geschichte und Entwicklung unserer Republik. Sie hat Akzente  gesetzt, die prägend bleiben werden – ein Verdienst engagierter,  leidenschaftlicher Macher. Doch wir müssen nüchtern und mit Bedauern  feststellen: Das Zuschauerinteresse und unsere unvermeidbaren  Sparzwänge sind nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine  solch hochwertige Serie.«

Wenn die ARD selbst von der Bedeutung und Qualität der »Lindenstraße« spricht, dann klingt es für mich recht schofelig, dass ausgerechnet das gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen mit dem Sparzwang argumentiert; gerade die ÖR-Anstalten sollten ihre Etats für die Produktion hochwertiger Serien wie die »Lindenstraße« einsetzen, Trash-TV gibt es schon zur Genüge bei den Privatsendern.

Andererseits stimmt es, dass die Zuschauerquoten bei der »Lindenstraße« gesunken sind – sie liegen aktuell bei ca. 2 Millionen Zuschauern oder ca. 8 Prozent, in Spitzenzeiten haben rund 8 Millionen Zuschauer die »Lindenstraße« gesehen. Mit sinkenden Zuschauerzahlen haben aber alle TV-Sendungen zu kämpfen, weil sich das Medienverhalten generell geändert hat – das Internet stellt für viele Nutzer eine ernsthafte Alternative zum klassischen Fernsehen dar.

Dennoch bleibt die Frage, ob es sich die ARD nicht hätte leisten können, die »Lindenstraße« weiterhin am Leben zu erhalten – schließlich begleitet sie seit den Achtziger Jahren viele Zuschauer durch die Jahrzehnte, wie ein etwas abgewetztes, aber sehr liebgewonnenes Möbelstück in den eigenen vier Wänden.

Als ich 1991 etwa mich auf das Staatsexamen vorbereitete, saß ich jeden Tag lange am Schreibtisch, ohne Ablenkung. Die einzige TV-Sendung jedoch, die ich mir quasi als Bonbon gönnte, war am Sonntagabend die »Lindenstraße«.

Nun ist in knapp anderthalb Jahren also endgültig Schluss mit der »Lindenstraße« – bis dahin werde ich mir natürlich noch möglichst jede Folge ansehen, aber das nahende Ende stimmt mich schon etwas traurig.

Den Machern und Darstellern der »Lindenstraße« danke ich jetzt schon für die vielen Stunden, in denen sie mir Freude und TV-Genuss bereitet haben – stets am Sonntagabend …  

 

Christel Oldenburg