Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

03.12.2018 16:02 Kategorie: Kolumne

Erschreckend viele Fälle an häuslicher Gewalt – wenn der Partner zum Täter wird


Letzte Woche beschäftigte sich die Bürgerschaft in ihrer aktuellen Stunde mit einem Thema, dass im Jahre 2018 für aufgeklärte Menschen in seiner Brisanz nur schwer vorstellbar ist: die häusliche Gewalt, genauer: die Partnergewalt, noch genauer: die Gewalt von Männern gegenüber ihren Frauen, Freundinnen, Lebensgefährtinnen.

Bundesweit kamen 2017 knapp 140.000 Fälle von Partnergewalt zur Anzeige, dabei dürfte die Dunkelziffer  weit höher liegen, da geschätzt nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe sucht.

Auch in Hamburg kommt häusliche Gewalt viel zu häufig vor, in allen sozialen Milieus:

2017 stellten in der Hansestadt rund 5.500 Opfer Strafanzeige gegen ihre gewalttätigen Partner. Dabei fallen zwei Umstände besonders ins Auge:  Erstens sind die meisten Opfer häuslicher Gewalt weiblich, zweitens sind die meisten Täter Deutsche – Partnergewalt ist also nicht erst mit den Migranten eingewandert.

Einer Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zur Partnerschaftsgewalt zufolge waren gut 82 Prozent der im vergangenen Jahr registrierter Opfer Frauen. 147 von ihnen haben nicht überlebt - im Schnitt alle zweieinhalb Tage stirbt eine Frau durch einen gewalttätigen Ehemann, Lebensgefährten oder Ex-Partner.

In Hamburg wurden dieses Jahr bereits sechs Frauen bei Fällen von häuslicher Gewalt getötet.

»Diese Zahlen sind schockierend«, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey Mitte November bei der Vorstellung der »Kriminalstatistischen Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2017« in Berlin.

Diese erschreckenden Zahlen sind aber nicht neu, vor allem die Dunkelziffer betroffener Frauen ist hoch: Jede vierte erlebt mindestens einmal im Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt durch den Partner – das hat eine Studie im Auftrag des Familienministeriums schon 2004 belegt. Ebenso wie die Tatsache, dass häusliche Gewalt in allen Schichten, Alters- und Bevölkerungsgruppen vorkommt.

Am 25. November rückte der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen das Thema in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, eben deshalb beschäftigte sich auch die Bürgerschaft am vergangenen Mittwoch in ihrer aktuellen Stunde mit der häuslichen Gewalt.

»Gewalt gegen Frauen, Partnergewalt, vereinzelt auch gegen Männer, gibt es in allen gesellschaftlichen Gruppen«, erläuterte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) – als Hilfsangebot für die betroffenen Frauen müsse daher der Ausbau von Schutzräumen und Anlaufstationen konsequent weiterverfolgt werden. Diese Hilfe sei auch notwendig, da immer mehr Frauen sich trauten, Anzeige gegen die Täter zu erstatten.

In Hamburg gibt es bisher fünf Frauenhäuser und eine Koordinierungsstelle, bei der Frauen für kurze Zeit unterkommen können. Alle Einrichtungen werden von der Stadt finanziert. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen die bestehenden Frauenhäuser in den nächsten beiden Jahren für 820.000 Euro sanieren.

Außerdem soll eine weitere Schutzeinrichtung mit 30 Plätzen geschaffen werden.

Die Sozialbehörde unterstützt mit einer vielbeachteten Kampagne die Opfer von Gewalt gegen Frauen – alle weiteren Informationen und Hilfsangebote finden sich hier:

https://www.hamburg.de/opferschutz/

 

Christel Oldenburg