Wappen der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Christel Oldenburg MdHB

08.04.2019 15:46 Kategorie: Kolumne

Kommunale Wohnungsbauunternehmen als Alternative – das Beispiel SAGA


Bildnachweis/Foto: A. Bock/SAGA

Zur Zeit erhitzt die Debatte um die Wohnungsknappheit und exorbitant steigende Mieten vor allem in den Großstädten die Gemüter – in Berlin etwa forderten Demonstranten sogar die Enteignung großer privatwirtschaftlicher Wohnungsbauunternehmen.

In Hamburg stellt sich die Situation erfreulicherweise etwas differenzierter dar; die SAGA als Wohnungsbauunternehmen befindet sich nicht nur zu 100 Prozent in städtischer Hand, sondern ist auch der größte Vermieter der Stadt und das größte kommunale Wohnungsunternehmen Deutschlands.

Anders als bei privatwirtschaftlichen Vermietern gehört es zum Unternehmenszweck und –ziel der SAGA als städtischem Wohnungsbaukonzern, auch für den sozialen Ausgleich in den Wohnquartieren zu sorgen und in erster Linie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Dabei legt das Unternehmen einen besonderen Fokus auf die sozial verträgliche Wohnraumversorgung für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Im Jahre 2017 verfügte die SAGA über ca. 133.000 Mietwohnungen, davon waren rund 30.000 Wohnungen öffentlich gefördert, die anderen frei finanziert, teils mit Preisbindung. Zudem vermietet die SAGA rund 1.500 Gewerbeobjekte.

Ein dezentral organisiertes Geschäftsstellennetz und rund 300 residente Hauswarte sind dabei die Basis für eine erfolgreiche Quartiersarbeit. Darüber hinaus fördert  die SAGA eine Vielzahl an Kunst- und Kulturprojekten zur nachhaltigen Quartiersentwicklung.

Die Geschichte der SAGA führt zurück bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Am 29. Dezember 1922 erfolgte die Gründung der SAGA auf Initiative von Max Brauer, dem Zweiten Bürgermeister und Stadtkämmerer von Altona. 1923 übernahm die SAGA die Steenkampsiedlung in Bahrenfeld und verwaltete 760 städtische Wohnungen.

1938 ging die SAGA in das Eigentum der Stadt Hamburg über, 1939 erfolgte die Fusion mit der Baugesellschaft Hamburg. Die SAGA besaß nun 6.617 Wohnungen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die SAGA im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich, fusionierte mit anderen Wohnungsbauunternehmen und trug erheblich zum Wohnungsbau in Hamburg bei.

Seit 2017 heißt der städtische Konzern »SAGA Unternehmensgruppe« und erfüllt neben seiner Kernaufgabe, dem Bau von bezahlbarem Wohnraum, eine Vielzahl weiterer Aufgaben im sozialen, kulturellen und künstlerischen Bereich, u.a. durch die gemeinnützige »SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft«.

Eine der Hauptaufgaben der SAGA bleibt es jedoch, in Hamburg zur Quartiersentwicklung beizutragen und sozial verträglichen Wohnraum für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zu erhalten, zu pflegen und – natürlich – auch neu zu bauen.

Deshalb spielt die SAGA auch eine bedeutende Rolle bei dem 2011 ins Leben gerufenen »Bündnis für das Wohnen« –  hier ist die SAGA vor allem für den Bau von Sozialwohnungen zuständig.

Die massiven Neubauanstrengungen der SAGA Unternehmensgruppe sind mittlerweile in vielen Quartieren der Stadt sichtbar. Um die angemessene Wohnraumversorgung der Bevölkerung in Hamburg auf einem dauerhaft hohen Niveau aktiv weiterzuentwickeln, hat die SAGA Unternehmensgruppe sich zum Ziel genommen, jährlich mit dem Bau von durchschnittlich 2.000 Wohnungen zu beginnen.

Dabei sollen die Neubauwohnungen nicht nur bezahlbar sein, sondern auch eine hohe Wohnqualität vorweisen und  den Klimaschutz in Hamburg unterstützen.

A propos bezahlbar: Die Nettokaltmieten der SAGA betrugen 2017 bei öffentlich gefördertem Wohnraum durchschnittlich 5,87 EUR/qm, bei frei finanzierten Wohnungen 6,63 EUR/qm – das ist deutlich weniger als bei vielen privatwirtschaftlichen Mietobjekten in Hamburg.

Hamburg besitzt mit der SAGA Unternehmensgruppe also ein wirksames Instrument in der öffentlichen Hand, um maßgeblich bei der Wohnungswirtschaft Einfluss nehmen zu können – davon profitiert nicht nur der einzelne Mieter, sondern die Stadt im Ganzen.

Eine auch nur hypothetische Enteignung der SAGA wäre daher auch völlig unsinnig, sie gehört ja eh schon den Hamburgern und sorgt mit dafür, dass unsere Stadt lebenswert bleibt.

 

Christel Oldenburg