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Dr. Christel Oldenburg MdHB

15.04.2019 15:30 Kategorie: Kolumne

Den Volkskrankheiten auf der Spur – die Hamburger Gesundheitsstudie HCHS


Eher weitgehend unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit läuft seit 2015 in Hamburg die weltweit größte lokale Gesundheitsstudie HCHS (Hamburg City Health Study), um den Ursachen der großen Volkskrankheiten auf die Spur zu kommen.

Da auch ich seit Februar an dieser Studie teilnehme und von dem enormen Aufwand sehr beeindruckt bin, möchte ich die Hamburger Gesundheitsstudie in ihren Grundzügen kurz vorstellen:

– Die Hamburg City Health Study des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist die größte lokale Gesundheitsstudie der Welt. Anhand intensiver Langzeituntersuchungen will sie das komplexe Netzwerk von Einflussfaktoren auf Krankheit und Gesundheit entschlu?sseln. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen in Zukunft eine fru?here, bessere und individualisiertere Behandlung der großen Volksleiden.

– Fast 30 Kliniken und Institute des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) arbeiten interdisziplinär zusammen – eine Besonderheit, denn ein derart großes gemeinschaftliches Zusammenwirken von unterschiedlichen medizinischen  Fachrichtungen ist international einzigartig.

– Gemeinsam bringen die Klinken den notwendigen Etat – und natürlich die fachliche Expertise – auf, um die HCHS zu ermöglichen. Die Finanzierung erfolgt über drei Säulen: Alle beteiligten Kliniken und Institute des UKE geben einen Anteil ihres jährlichen Forschungsbudgets für die HCHS. Spezielle Projekte innerhalb der Studie werden durch Drittmittelgeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder die Europäische Union gefördert. Zudem gibt es verschiedene akademisch-industrielle Kooperationen.

– Die Pilotstudie startete im Mai 2015, die Hauptstudie im September 2015. Insgesamt 45.000 Hamburger im Alter von 45 bis 74 Jahren werden untersucht. Die freiwilligen Teilnehmer werden nach einem statistisch repräsentativen Zufallsverfahren ausgesucht, so auch ich.

– 26 Erkrankungen stehen im Fokus, u.a. Demenz, Schlaganfall und Herzinfarkt. 6000 Biodaten pro Teilnehmer werden unter strikten Datenschutzauflagen analysiert.

– Die Teilnehmer werden ins Studienzentrum des UKE eingeladen und nur durch speziell geschultes und trainiertes Personal untersucht. Innerhalb von sechs Stunden durchläuft jeder neun verschiedene Untersuchungsstationen mit rund 20 unterschiedlichen Untersuchungsmodulen. Am Ende wird den Teilnehmern ein automatisiert erstellter Befundbericht mit einer Empfehlung zur Besprechung bei ihrem Hausarzt ausgehändigt.

– Es wird ungefähr sechs Jahre dauern, bis alle 45.000 Teilnehmer einmal persönlich untersucht wurden. Danach wird jeder Einzelne wieder eingeladen, um mehr über die Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben, zu erfahren.

Die sehr umfangreiche Untersuchung hat auch mich beeindruckt; jeder Teilnehmer kann übrigens selbst entscheiden, ob er die Untersuchungsergebnisse erfahren möchte oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden, werde auch am Folgegespräch in sechs Jahren teilnehmen – wann hat ein Normalbürger schon einmal die Gelegenheit, sich derart gründlich untersuchen zu lassen?  

Die Hamburger Gesundheitsstudie hat eine informative Website zum Thema erstellt, auf der sich viele weitere Informationen befinden – der Link lautet hchs.hamburg .

 

Christel Oldenburg